Bunzlau, Schraubflasche, 17. Jh. (Ke 2167)

Bunzlau, Schraubflasche, 17. Jh. (Ke 2167)
Inv.Nr.
Ke 2167
Inv.Nr. (alt)
HG 9409
Zugangsregisternr.
ZR 1940/20
Alternativer Titel
Flasche aus Irdenware mit Zinndeckel
Material
Irdenware, hellrötlicher Scherben, tiefdunkelbraun, bräunlich, hellblau, grün und weiß glasiert (glänzend, teils transparent, teils opak), Zinn (Deckel)
Maße
Höhe 19 cm
Höhe ohne Montierung 14,5 cm
Durchmesser 13 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der unglasierten Unterseite Beschriftung mit schwarzem Lackstift (?) "F. 4379." [= vermutl. Inv.nr. des Schlossmuseums Berlin, sog. "F[igdor]-Inventar" ca. 1935]
DatumProvenienz
spätestens 1927Albert Figdor, Wien, erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
spätestens 1927Margarete Becker-Walz, Heidelberg, erworben durch Schenkung von Albert Figdor, Wien [2]
06.12.1928Danat-Bank u.a. (Konsortium Jacob Goldschmidt), erworben von Margarete Becker-Walz, Heidelberg [3]
zwischen 1931 und 1935Dresdner Bank, erworben von Danat-Bank u.a. (Konsortium Jacob Goldschmidt)[4]
1935Staatliche Museen zu Berlin, Berlin, erworben von Dresdner Bank[5]
09./10.06.1937Heilbronner (Henri Heilbronner Antiquitäten), erworben auf der Auktion Böhler (Kunsthandlung Julius Böhler), München, Los-Nr. 180, eingeliefert von Staatliche Museen zu Berlin[6]
02.07.1937 und 25.02.1938Böhler (Kunsthandlung Julius Böhler), München, erworben von Heilbronner (Henri Heilbronner Antiquitäten), München [7]
31.07.1940Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Kauf von Böhler (Kunsthandlung Julius Böhler)[8]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 ist bedenklich, es liegen Verdachtsmomente vor.

Siehe dazu:

Anja Ebert, Timo Saalmann: Gekauft – Getauscht – Geraubt? Erwerbungen des Germanischen Nationalmuseums zwischen 1933 und 1945 – Weitere Ergebnisse der Provenienzforschung. Hrsg. von Anne-Cathrin Schreck. Nürnberg 2019, S. 17–33, URL: http://books.ub.uni-heidelberg.de/arthistoricum/catalog/book/393.

 



[1] Albert Figdor starb 1927. – Lynn Rother: Zu groß für Einen. Zum An- und Verkauf großer Sammlungen durch Konsortien am Beispiel Figdor. In: Eva Blimlinger, Monika Mayer (Hrsg.): Kunst sammeln, Kunst handeln. Beiträge des Internationalen Symposiums in Wien (Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 3). Wien, Weimar 2012, S. 303–315, bes. S. 305–307. – Zur Provenienz der Sammlung Figdor siehe auch Ilse von zur Mühlen, Provenienz L 70/53, Hans Klocker (Gais (?) vor 1474-nach 1500) (Werkstatt, Umkreis)/Michael Pacher (Neustift in Bozen um 1435-1498 Salzburg) (Schule), Stehender Engel von einer Taufe Christi, Brixen, um 1490/1495, URL: https://www.bayerisches-nationalmuseum.de/index.php?id=547&laufnr=00080122 [28.8.2018].

[2] Wie Anm. 1.

[3] Wie Anm. 1.

[4] Wie Anm. 1.

[5] Wie Anm. 1. – Die Schraubflasche kam vermutlich ins Schlossmuseum, worauf die Inv.Nr. des sog. „F[igdor]-Inventars“ verweist (F. 4379.), s. Objektuntersuchung. S. dazu Lynn Rother: Kunst durch Kredit. Die Berliner Museen und ihre Erwerbungen von der Dresdner Bank 1935. Berlin, Boston 2017, S. 99, 111, 276, Anm. 183.

[6] Die Auktion war ursprünglich für den 1./2.6.1937 geplant: Kunstwerke aus dem Besitz der Staatlichen Museen Berlin. Julius Böhler in Verbindung mit Rudolph Lepke’s Kunstauctionshaus Berlin. Aukt.Kat. Julius Böhler, München, 1.–2. Juni 1937, URL: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/boehler1937_06_01 [22.02.2018], Los-Nr. 180: „Sechskant-Flasche, Irdenware, schwarz glasiert, mit zinnernem Schraubverschluß. In den 6 Feldern aufgelegte, grün-braun glasierte Sternblumen; an den Kanten geflochtene, oben und unten in Blüten endende Zweige. Blüten abwechselnd blau und weiß glasiert. — Schraubdeckel mit Ring. Salzkammergut, 17.–18. Jahrh. – Höhe 19 cm, Durchmesser 12,3 cm. Früher Sammlung Figdor-Wien.“ – Laut dem Preisverzeichnis in der Weltkunst erzielte Los-Nr. 180 einen Zuschlag von 100 RM, Weltkunst XI, Nr. 24/25, 20.6.1937, S. 4, Preisbericht zu Auktion Julius Böhler, R. Lepke, München, 9.–10. Juni 1937 (Kaufpreis inkl. Aufgeld 110 RM). – S. zur Auktion ausführlich Lynn Rother: Kunst durch Kredit. Die Berliner Museen und ihre Erwerbungen von der Dresdner Bank 1935. Berlin, Boston 2017, S. S. 135–173. – DKA, NL Julius Böhler, I, B-4.

[7] Am 2.7.1937 übernahm Böhler den halben Anteil der Flasche für 55 RM, BWA München, NL Julius Böhler, F 43/34, Rechnung Heilbronner an Böhler, 2.7.1937. – Am 25.2.1938 kaufte Böhler Heilbronner den (zweiten) halben Anteil an der Flasche ab (Kaufpreis 85 RM). S. hierzu: BWA München, NL Julius Böhler, F 43, Kontokorrentbuch, Einträge zu Heilbronner, S. 2, Eintrag vom 25.2.1938; F 43/8, Rechnung Heilbronner an Böhler, 22.2.1938. – ZI München, Fotoarchiv Julius Böhler, Fotomappe und Karteikarten zu Lagerbuchnr. 37209.

[8] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu Ke 2167, HG 9409 (Kaufpreis 350 RM). – HA GNM, GNM-Akten K 133, Ankaufsakten 1940/41, Schriftwechsel Böhler mit Kohlhaußen, GNM, 17.7.1940 (Nr. 1913), 26.7.1940 (Nr. 1913, rückseitig), 7.8.1940 (Nr. 2120); GNM-Akten K 3326, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1940/41, Beleg Nr. 66/20, Rechnung Böhler, 17.7.1940. – BWA München, NL Julius Böhler, F 43, Lagerbuch, Lagerbuchnr. 37209. – ZI München, Fotoarchiv Julius Böhler, Fotomappe und Karteikarten zu Lagerbuchnr. 37209. – In der Literatur wird die Provenienz durchgängig irrtümlich angegeben als vom GNM 1881 aus der Slg. Dr. Wolf, Altenburg/Thüringen erworben, zuletzt bei Anna Bober-Tubaj (Hrsg.): U zródel boleslawieckiej ceramiki. Boleslawiec jako jeden z ośrodków garncarstwa środkowoeuropejskiego od XV do XVII w. Katalog wystawy ... Muzeum Ceramiki w Boleslawcu 15.12.2012–10.03.2013. Anlässlich der Ausstellung Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik – Funde des 15.–17. Jahrhunderts aus einem mitteleuropäischen Zentrum der Töpferei im Schlesischen Museum zu Görlitz, 13.07.–31.10.2013 = Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik. Jelenia Góra 2012, S. 226, Kat.Nr. 5.

Bearbeitung
AE (Text und Recherche)
TS (Recherche)