Zimmermann, Franz
1850 im siebenbürgischen Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) geboren, wuchs Franz Zimmermann in Wien auf. Nach einem Geschichtsstudium in Wien und Leipzig und dem Besuch des Instituts für österreichische Geschichtsforschung in Wien war er ab 1875 Leiter des Archivs der Stadt Hermannstadt und des Archivs der sächsischen Nation, das er neu ordnete und zu dessen Beständen er ein mehrbändiges „Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen“ publizierte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst kehrte er 1906 nach Österreich (St. Pölten) zurück, wo er 1935 in Linz verstarb.
Aus seiner Ehe mit Julie Theuerkauf (Wien 1856–1934) gingen zwei Töchter und vier Söhne hervor. Seine Sammlung siebenbürgischer Objekte wurde dem Museum 1937 vom Sohn Robert Zimmermann geschenkt.
Quellen
Gundelsheim, Siebenbürgen-Institut, B I Nr. 01, NL Franz Zimmermann
Literatur
Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910, 936.
Konrad Gündisch: Franz Zimmermann, der Anti-Teutsch. In: Siebenbürgische Zeitung, 15.02.2010, S. 7. https://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/9690-franz-zimmermann-der-anti_teutsch.html [3.7.2018].
Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45–47.
Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013 (mit weiterer Literatur).
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9195. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9196. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9197. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9198. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9199. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9200. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9201. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9202. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9203. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9204. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9205. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9206. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9207. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9208. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9209. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9210. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9211. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9212. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9213. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9214. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9215. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9216. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9217. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9222. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9223. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.
| Datum | Provenienz |
|---|---|
| vor 1935 | Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1] |
| vor 1937 | Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2] |
| 29.06.1937 | Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3] |
Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).
Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]
Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]
Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –, „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]
[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.
[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9224. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.
[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.
[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.
[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.
[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.
[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.
[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

