Breisgau, Maria Immaculata, Mitte 18. Jh. (Pl.O. 2774)

Breisgau, Maria Immaculata, Mitte 18. Jh. (Pl.O. 2774)
Inv.Nr.
Pl.O. 2774
Zugangsregisternr.
ZR 1939/49
Material
Lindenholz (?), geschnitzt, bemalt in Schwarz und Gold
Maße
Höhe 144 cm
Sammlung
Skulptur bis 1800
Objektuntersuchung
kein Befund
DatumProvenienz
1924Frankfurter Privatbesitz, Frankfurt, erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
zwischen 1924 und spätestens 15.05.1939Verbleib unbekannt
spätestens 15.05.1939Galerie für Alte Kunst (Walter Bornheim, vormals A. S. Drey), München, erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [2]
13.06.1939Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Kauf von Galerie für Alte Kunst (Walter Bornheim, vormals A. S. Drey)[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 ist bedenklich, es liegen Verdachtsmomente vor.

Die von Schmitt/Swarzenski 1924 ins Breisgau verortete Figur ist dort als Frankfurter Privatbesitz publiziert, jedoch ohne Angabe des Eigentümers.[4] Mehrere der bei Schmitt/Swarzenski aufgeführten Skulpturen sind später auf Versteigerungen nachweisbar, nicht jedoch die Immaculata.[5] Ihre weitere Provenienz bis 1939 lässt sich daher nicht verfolgen.

Das Germanische Nationalmuseum erwarb die Skulptur 1939 bei der Galerie für Alte Kunst. Deren Inhaber Walter Bornheim hatte 1936 die jüdische Kunsthandlung A.S. Drey „arisiert“. Unter Druck der NS-Verfolgung hatte Drey zuvor seinen Warenbestand 1936 bei Paul Graupe versteigern müssen.[6] Es ließ sich nicht klären, ob sich die Figur im von Bornheim übernommenen Restbestand der Kunsthandlung Drey befunden hatte oder ob sie erst 1939 zu Bornheim kam. Im Auktionskatalog der Graupe-Versteigerung 1936 ist die Figur nicht enthalten.

Zu Bornheim, der in der NS-Zeit unter anderem als Einkäufer für Hermann Göring tätig war, haben sich umfangreiche Ermittlungsunterlagen der US-Behörden erhalten.[7] In den heute in den National Archives Washington verwahrten Unterlagen befindet sich unter anderem eine Liste der Objekte, die das Germanische Nationalmuseum bei der Galerie für Alte Kunst erwarb. Auf dieser ist die Figur nicht aufgeführt. Auch findet sich kein Hinweis auf die Figur in den Sammelmappen mit Fotografien und Dokumenten zu Objekten, die Bornheim verkauft hatte, und ebenso nicht im Bericht zur Kunsthandlung Drey, den Bornheim nach dem Krieg an Drey schickte. Ein verfolgungsbedingter Entzug kann nicht ausgeschlossen werden.

 


[1] Otto Schmitt, Georg Swarzenski: Bildwerke des 16. bis 18. Jahrhunderts, vornehmlich deutsche Barockplastik, 2 Bde. (Meisterwerke der Bildhauerkunst in Frankfurter Privatbesitz). Frankfurt a.M. 1924, Bd. 2, Kat.Nr. 121.

[2] HA GNM, GNM-Akten K 132, Ankaufsakten 1939, Galerie für Alte Kunst an Kohlhaußen, GNM, 15.5.1939 (Nr. 2415).

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu Pl.O. 2774 (Kaufpreis 1.000 RM). – HA GNM, GNM-Akten K 132, Ankaufsakten 1939, Schriftwechsel Galerie für Alte Kunst mit Kohlhaußen, GNM, 15.5.1939 (Nr. 2415), 1.6.1939 (Nr. 2415, rückseitig), 19.6.1939 (Nr. 2755), 24.6.1939 (Nr. 2828); GNM-Akten K 6765, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1939, Beleg Nr. 22/15, Frachtbrief, 16.5.1939, Beleg Nr. 67/25, Rechnung Galerie für Alte Kunst, 3.6.1939, Quittung Galerie für Alte Kunst, 24.6.1939.

[4]Otto Schmitt, Georg Swarzenski: Bildwerke des 16. bis 18. Jahrhunderts, vornehmlich deutsche Barockplastik, 2 Bde. (Meisterwerke der Bildhauerkunst in Frankfurter Privatbesitz). Frankfurt a.M. 1924, Bd. 2, Kat.Nr. 121.

[5] Bei Schmitt/Swarzenski 1924 publizierte Skulpturen sind u.a. nachweisbar in den folgenden Versteigerungen (nicht jedoch die Immaculata, Pl.O. 2774): Slg. Hugo Benario, Rudolph Lepke, Berlin, 5.4.1927; Slg. Johannes Noll, Hugo Helbing, Frankfurt, 12.6.1928; Slg. P.H., Heinrich Hahn, Frankfurt, 6.11.1928; Slg. Fr.J. Marx, Slg. E. Michels, Slg. Rautenstrauch, Heinrich Hahn, Frankfurt, 6.11.1928; Slg. Egon Zerner, Paul Cassirer, Berlin / Hugo Helbing, Frankfurt, 15.12.1924; Slg. Licht, Hugo Helbing, Frankfurt, 7.5.1929; Slg. Jacob H. Weiller, Hugo Helbing, Frankfurt, 21.10.1930; Slg. v. Passavant-Gontard, Slg. Johannes Noll, Slg. Willy Wilbrand, Slg. Landauer-Donner, Hugo Helbing, Frankfurt, 1.-2.12.1931; Slg. D. Rothschild, Hugo Helbing, Frankfurt, 6.12.1932; Slg. Franz Rieffel, Hugo Helbing, Frankfurt, 5.12.1933; Slg. C.J., Heinrich Hahn, Frankfurt, 3.-4.6.1937. Die Figur ist auch sonst weiter im Kunsthandel nicht nachweisbar, insbesondere nicht in den Versteigerungen der Slg. Figdor und der Slg. Georg Schuster, Julius Böhler, München, 17.-18.3.1938.

[6] Aus dem Besitz der Firma A. S. Drey, München (Räumungsverkauf) am 17. und 18. Juni 1936 (Katalog Nr. 151). Aukt.Kat. Paul Graupe, Berlin, 17.–18. Juni 1936, URL: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/graupe1936_06_17 [07.07.2017].

[7] S. NARA, M 1946, Records Concerning the Central Collecting Points ("Ardelia Hall Collection"): Munich Central Collecting Point, 1945-1951, Bornheim Walter: Detailed Interrogation Report (Dir) No 11, S. 11-12, 19, URL: https://www.fold3.com/image/270038821, https://www.fold3.com/image/270038844 [12.11.2015]; NARA, M1947, Records Concerning the Central Collecting Points ("Ardelia Hall Collection"): Wiesbaden Central Collecting Point, 1945-1952, Bornheim, Walter: Photographs And Documents Of Works Owned By Or Sold By Bornheim, URL: http://www.fold3.com/image/114/232071609/ [12.11.2015].

Bearbeitung
AE