Über das Projekt

Systematische Provenienzforschung am Germanischen Nationalmuseum. Erwerbungen zwischen 1933 und 1945

Mit dem von 2014 bis 2018 durchgeführten Forschungsprojekt hat das Germanische Nationalmuseum mit der systematischen Erforschung der Provenienzen seiner Bestände begonnen. Grundlage hierfür bildet die in der „Washingtoner Erklärung“ und in der ein Jahr später verabschiedeten „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut, insbesondere aus jüdischem Besitz“ festgeschriebene Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut in Museen, Archiven und Bibliotheken ausfindig zu machen und gegebenenfalls an die Eigentümer beziehungsweise deren Rechtsnachfolger zu restituieren. Im Fokus standen die Erwerbungen der Jahre 1933 bis 1945 für die Sammlungsbereiche Malerei bis 1800 und Glasmalerei, Skulptur bis 1800, Kunsthandwerk bis 1800 sowie Kunst und Kunsthandwerk 19. bis 21. Jahrhundert. Das Projekt wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert und vom Germanischen Nationalmuseum teilfinanziert.

Ziel des Projekts war es, NS-verfolgungsbedingt entzogene und somit unrechtmäßig in das Museum gelangte Werke zu identifizieren. Die Datenbank enthält Einträge zu 1.311 Objekten, von denen 1.264 im Projekt untersucht wurden. Bei den weiteren 47 Einträgen handelt es sich um Objekte, die bereits vor Projektbeginn Gegenstand von Restitutionsverhandlungen waren oder als sogenannte „Beutekunst“ 1947/48 an die ehemaligen besetzten Gebiete zurückgegeben wurden.

Bei den im Projekt untersuchten Objekten wurde in 33 Fällen ein NS-verfolgungsbedingter Entzug festgestellt. Diese Objekte wurden an die früheren Eigentümer oder deren Rechtsnachfolger restituiert beziehungsweise erfolgen derzeit Verhandlungen über eine gütliche Einigung mit den Erben (Stand August 2018).

Bei 200 der untersuchten Objekte kann ein NS-verfolgungsbedingter Entzug nicht ausgeschlossen werden beziehungsweise liegen Verdachtsmomente vor. Diese Objekte wurden in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste veröffentlicht. Für 132 Objekte konnte die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 vollständig und lückenlos geklärt werden. In der überwiegenden Zahl der Fälle (899 Objekte) bestehen Provenienzlücken, ohne dass ein Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Verlust vorliegt.

Ergebnisse des Projekts wurden vom 26. Oktober 2017 bis zum 17. Juni 2018 in der Sonderausstellung Gekauft – Getauscht – Geraubt? Erwerbungen 1933 bis 1945 vorgestellt.

Der zur Ausstellung erschienene Ausstellungskatalog (auch online veröffentlicht) sowie eine Open Access-Publikation mit zugehörigem Registerband flankieren die Datenbank und stellen ausgewählte Forschungsergebnisse vertiefend dar. Mit der Online-Stellung aller Ergebnisse kommt das Germanische Nationalmuseum der Forderung nach Transparenz und Veröffentlichung der Ergebnisse von Provenienzforschung nach.

Projektmitarbeiter:
Dr. Anne-Cathrin Schreck, Projektleitung [ACS]
Dr. Anja Ebert, wissenschaftliche Mitarbeiterin [AE]
Dr. Timo Saalmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter [TS]
Lisa Baluschek, M.A., wissenschaftliche Hilfskraft (ab 1.12.2017) [LB]
Julia Kalantarova, M.A., wissenschaftliche Hilfskraft (bis 31.08.2015) [JK]
Nadine Raddatz, M.A., wissenschaftliche Hilfskraft (ab 1.11.2017) [NR]
Julia Woltermann, M.A., wissenschaftliche Hilfskraft (bis 31.10.2017) [JW]

Mit Dank an:
Mark Fichtner, Germanisches Nationalmuseum, Referat Museums- und Kulturinformatik
alle beteiligten Sammlungsleiter sowie die Leiter der beiden Archive (Historisches Archiv, Deutsches Kunstarchiv) am Germanischen Nationalmuseum
Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung (IKK) am Germanischen Nationalmuseum
Kolleginnen des Verlages am Germanischen Nationalmuseum
Kolleginnen und Kollegen der Fotostelle am Germanischen Nationalmuseum