Zerbst (?), Große Fayencevase, 1. Hälfte 18. Jh. (Ke 639)

Zerbst (?), Große Fayencevase, 1. Hälfte 18. Jh. (Ke 639)
Inv.Nr.
Ke 639
Inv.Nr. (alt)
HG 9471
Zugangsregisternr.
ZR 1941/57
Material
Fayence, Blaumalerei
Maße
Höhe 47,4 cm
Durchmesser Boden 23,2 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
kein Befund
DatumProvenienz
05.08.1941Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Kauf von Lockner (Antiquitäten Hermann Lockner)[1]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 ist bedenklich, es liegen Verdachtsmomente vor.

Die Fayencevase mit Chinoiserien in Blaumalerei wurde 1941 gemeinsam mit einer Fayenceplatte (Ke 2068) und der Büste von Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern (Pl.O. 2800) beim Würzburger Kunsthändler Hermann Lockner für insgesamt 5.000 RM erworben.

Hermann Lockner (geb. 12.8.1894, Würzburg) übernahm 1927 den von seinem Vater 1889 gegründeten Kunsthandel Lockner in Würzburg.[2] Lockner war Sachverständiger für Antiquitäten in der Reichskulturkammer und seit Mai 1933 Mitglied der NSDAP.[3] Aus Reiseanträgen in der Gestapo-Akte Lockners geht hervor, dass er und seine Frau Hildegard (geb. Brennfleck, 8.5.1909, Würzburg) 1939, 1940 und 1941 mehrmals in Italien sowie in Ungarn waren und dort 1939 und möglicherweise auch früher Kontakt zu den Kunsthändlern Brunati/Mailand, Copaletti/Trient, Löwi/Venedig und Kronau/Bozen hatten.[4] Soweit die Kunsthandlungen identifiziert werden konnten, waren sie spätestens seit 1940 nicht mehr tätig: Der Kunsthändler Adolph Loewi, Venedig verließ Italien im Frühjahr 1939, Rudolf Kronau (geb. Krohn) schloss seine Kunsthandlung in Bozen im Dezember 1939 und flüchtete 1943 in den Vatikan.[5]

Aus Auktionsprotokollen im Landesarchiv Berlin ist ersichtlich, dass (vermutlich der Würzburger) Lockner 1936 auf einer Auktion bei Paul Graupe als Käufer auftrat.[6] Die Vase konnte in keiner der in Frage kommenden Auktionen nachgewiesen werden.

 



[1] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu Ke 639, HG 9471 (Kaufpreis 5.000 RM, zus. mit Ke 2068, Pl.O. 2800). – HA GNM, GNM-Akten K 133, Schriftwechsel Lockner mit Kohlhaußen, GNM, 18.7.1941 (Nr. 2043), 21.7.1941 (Nr. 2043, rückseitig), 31.7.1941 (Nr. 2220), 6.8.1941 (Nr. 2288), 11.8.1941 (Nr. 2340); GNM-Akten K 3411, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1941, Beleg Nr. 129/57, Frachtbrief, 30.7.1941, Beleg Nr. 146/59, Rechnung Lockner, 30.7.1941, Quittung Lockner, 9.8.1941.

[2] S. die Homepage der Kunsthandlung Lockner, URL: http://www.lockner.de/chronik.php [3.3.2015].

[3] StA Würzburg, Spruchkammerakte 6184, Meldebogen, 20.5.1946, Arbeitsblatt, 21.2.1947. – Für Auskünfte zu Lockner danke ich Ingrid Heeg-Engelhart, StA Würzburg und Christine Bach, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Email vom 9.2.2018.

[4] StA Würzburg, Akte Gestapostelle Würzburg 6316, Aus- und Wiedereinreisegenehmigungen zu Geschäftsreisen nach Italien und Ungarn 1940 und 1941.

Bearbeitung
AE