Zimmermann, Robert

Geburtsdaten
1886
Sterbedaten
1969
Adresse
Schärding, Österreich

Robert Zimmermann war der Sohn des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann. In den Museumsunterlagen wird er als Oberfinanzrat bezeichnet und sein Wohnort sowohl mit Schärding in Oberösterreich als auch mit dem benachbarten Neuhaus am Inn (Landkreis Passau) angegeben.[1]

 

Literatur

Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.



[1] In den dortigen Archiven finden sich zu Robert Zimmermann keine Angaben, freundliche Auskünfte Mario Puhane, Stadtamt Schärding, Email vom 21.12.2016; Claudia Veit und Herta Nitsche, Stadtarchiv Passau, Emails vom 3.6.2016 und 20.6.2016; Pfarrbüro Neuhaus am Inn, Telefonat 24.5.2016; Daniela Asensio, Gemeinde Neuhaus am Inn, Email vom 27.5.2016.

 

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9195
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Zinnkrug mit Maske am Griff
Material
Zinn
Maße
Höhe 25,8 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Stadtmarke von Hermannstadt und Meistermarke SIW (?)
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9195. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9196
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Zinnkrug mit plastisch verziertem Henkel
Material
Zinn
Maße
Höhe 12,3 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Stadtmarke von Hermannstadt, ohne Meisterzeichen
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9196. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9197
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Kanne aus Zinn
Zinnkrug in Form einer Schnelle
Material
Zinn, graviert, legiert (Gravur auf Deckelinnenseite)
Maße
Höhe 31,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Stadtmarke von Hermannstadt und Meistermarke LW; im Deckel ligierte Gravuren HW, MM
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9197. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9198
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Höhe 21,8 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
bez. GEORGIUS NEIRSTER 1692, ohne Marke
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9198. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9199
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Kanne aus Zinn
Walzenförmiger, gebuckelter Zinnkrug
Material
Zinn
Maße
Höhe 26,7 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Umschrift: GABET THOMAS KLÖS 1757 SEINEM SOHN MICHEL KLOS, auf der Deckelinnenseite ältere Gravuren A und MKX, ohne Marke
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9199. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9200
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Kanne aus Zinn
Material
Zinn, gegossen, graviert
Maße
Höhe 18,2 cm
Durchmesser 9 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf dem Henkel das Stadtzeichen von Schäßburg (Sighișoara, Rumänien) (Stadttorturm mit Gitter) und eine Meistermarke (G T); auf der Unterseite eingeritztes "S"(?)
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9200. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9201
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Höhe 14,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Marke von Schäßburg (Sighișoara, Rumänien) und Meistermarke MK; auf dem Deckel Gravur ABCDE
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9201. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9202
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Höhe 14 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Vorderseite Signatur MKHF 1678; Marke von Schäßburg (Sighișoara, Rumänien), Meistermarke MN; auf der Unterseite mit Bleistift (?) 4, darunter eingraviert "Sara"
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9202. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9203
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn, graviert
Maße
Höhe 28,7 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf dem Henkel Stadtmarke von Kronstadt und Meistermarke W; auf dem Deckel ein eingraviertes Kreuz, ähnlich einem Hakenkreuz (?); auf der Unterseite: Reste eines Aufklebers, Gravuren MK und HTH
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9203. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9204
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Durchmesser längs 16,4 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Aufschrift: 1828 M Kl.; mehrfach die Stadtmarke von Hermannstadt, keine Meistermarke
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9204. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9205
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Höhe 14,4 cm
L.D. 16,4 cm
Sammlung
Kunst und Kunsthandwerk 19.-21. Jhd.
Objektuntersuchung
nicht erfolgt
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9205. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9206
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Durchmesser 29,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Vorderseite bezeichnet "S.S. 1763"; auf der Rückseite dreimal die Hermannstädter Stadtmarke
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9206. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9207
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Zinnteller mit tanzendem Bauernpaar und zwei Musikanten
Material
Zinn, graviert
Maße
Höhe 21,3 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Vorderseite bezeichnet "P.S. 1742"; auf der Unterseite Marke D.S., Hermannstadt, Gravur "Popil (?) 1842"
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9207. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9208
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Zinnteller mit von zwei Löwen gehaltenen Handwerkswappen
Material
Zinn, graviert
Maße
Höhe 21,3 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Vorderseite bezeichnet "J.S. 1777"; auf der Unterseite Marke D.S., Hermannstadt
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9208. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9209
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Großer Zinnteller mit liegendem Hirsch und Blumenranken
Material
Zinn, graviert
Maße
Durchmesser 36,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Widmung: NEUJAHRSGESCHENCK MAR LAURENTI - AND MANGESI, dazwischen Schusterwappen und Jahreszahl 1725; Stadtmarke Hermannstadt (darunter Tierkopf?)
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9209. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9210
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Durchmesser 16,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Stadtmarke von Schäßburg (Sighișoara, Rumänien) und Meistermarke MH
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9210. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9211
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Durchmesser 16,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Stadtmarke von Schäßburg (Sighișoara, Rumänien) und Meistermarke DRK
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9211. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9212
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Großer Zinnteller
Material
Zinn, gegossen, graviert (geflechelt)
Maße
Durchmesser 43,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Stadtzeichen von Schäßburg (Sighișoara, Rumänien), zweimal eine Meistermarke, die die Initialen GK in einem Schild zeigt; auf der Unterseite graviert "1848" sowie mit Farbe oder Bleistift "10"
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9212. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9213
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn, gestempelt (Lilien), geritzt (Inschrift Rückseite)
Maße
Durchmesser 42 cm
Höhe 5,7 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Rückseite mittig eingeritzt "piter . Kreicor [oder Kreiser?] / 1630 [17.6.30?] / + / JOHANNES RETHER [oder RETIER / REHER ?]
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9213. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9214
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn, geritzt (rohe Zeichnung)
Maße
Durchmesser 30 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
bezeichnet "GAB:M:R:1804", Stadtmarke von Hermannstadt und Meistermarke G.W., zwischen den beiden Buchstaben Säule mit Weinstock (?)
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9214. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9215
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Zinn
Maße
Durchmesser 27 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
kaum noch erkennbare Marke (Meerweibchen?)
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9215. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9216
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Material
Holz, Glas, Zinn, mit Metalleinlagen
Maße
Höhe 10,2 cm
Breite 35,4 cm
Tiefe 23,5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
Auf der Unterseite in schwarzer Farbe "WGH."
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9216. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9217
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Kleine rechteckige Dose mit Relief auf dem Deckel
Material
Holz (?), geschnitzt
Maße
Höhe ca. 2 cm
Breite ca. 9 cm
Tiefe ca. 5 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf Deckel Beschriftung 1741 (?)
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9217. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9222
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Deckelkanne
Material
Zinn, geritzt
Maße
Höhe 16 cm
Breite 14 cm
Durchmesser 8 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Seite eingeritzt "M K"
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9222. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9223
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Alternativer Titel
Deckelkanne
Material
Zinn, geritzt
Maße
Höhe 15,5 cm
Breite 12,3 cm
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
auf der Unterseite eingeritzte hebräische Schriftzeichen, nicht klar lesbar: vmtl. entweder Aleph, Heh, Lamed = Ohel (Zelt) oder Kaf, Heh, Lamed = Kahal (Gemeinde) [mit Dank an Verena Erbersdobler, Fürth, und Christiane Twiehaus, Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen]
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9223. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE
Inv.Nr.
HG 9224
Zugangsregisternr.
ZR 1937/36
Sammlung
Kunsthandwerk bis 1800
Objektuntersuchung
nicht erfolgt
DatumProvenienz
vor 1935Franz Zimmermann, St. Pölten , erworben von Unbekannte(r) Vorbesitzer [1]
vor 1937Robert Zimmermann, Schärding, erworben von Franz Zimmermann, St. Pölten [2]
29.06.1937Germanisches Nationalmuseum, erworben durch Schenkung von Robert Zimmermann[3]
Die Provenienz für den Zeitraum 1933 bis 1945 konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Das Objekt stammt aus einer Sammlung siebenbürgischer Objekte des Hermannstädter Archivars Franz Zimmermann, die dem Museum 1937 vom Sohn des Sammlers, Robert Zimmermann, geschenkt wurde. Zum 59 Gegenstände umfassenden Konvolut gehören sechs Pulverhörner, neun Zinnkrüge, zehn Zinnteller, zwei Milchkannen und eine Deckelschale aus Zinn, ein kleiner Kupferkrug, 20 Stück Leinwand mit bäuerlichen Stickereien, drei Heftel (Schmuckscherben) sowie verschiedene Gebrauchsgegenstände (Toilettenkasten, Tabaksdosen, Geldtasche, Notizblock, Lichtschere).

Vermutlich hatte Franz Zimmermann die Sammlung während seiner Tätigkeit als Archivar in Hermannstadt (heute Sibiu/Rumänien) zusammengetragen, das er bereits 1906 verließ, um sich in Österreich niederzulassen. Die Objekte haben sich daher vermutlich bereits vor 1933 in seinem Besitz befunden.[4] Eines der Objekte (HG 9223) trägt eine hebräische Inschrift („Ohel“/Zelt oder „Kahal“/Gemeinde).[5] Eine Herkunft auch weiterer Sammlungsobjekte aus einem jüdischen Kontext ist daher möglich. Der mit der Sammlung ans Haus gekommene Notizblock (T 4866, zuvor HG 9221) ist unbeschrieben. Bereits im Jahr 1898 hatte Franz Zimmermann dem Museum Objekte aus Siebenbürgen vermittelt, in diesem Fall Trachten aus der Gegend von Hermannstadt.[6]

Zur Erwerbung der Sammlung im Jahr 1937 wurde im Jahresbericht vermerkt, die „Sammlung siebenbürgischer Altertümer“ sei „von dem Sohn des Sammlers, Oberfinanzrat Robert Zimmermann aus Schärding in Österreich zum Gedenken an seinen Vater Archivar Franz Zimmermann aus Hermannstadt verehrt“ worden. Weiter heißt es: „Das Germanische Nationalmuseum kann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, seit seiner Gründung […] den großdeutschen Gedanken gepflegt und in der Erfassung deutschen Volkstums nie vor den Staats- und Landesgrenzen Halt gemacht zu haben. Dafür hat es von je die Liebe und Anhänglichkeit der Auslandsdeutschen erfahren“.[7]

Der Erwerb der Sammlung 1937 fällt damit mit einer Ausrichtung der Sammelstrategie auf „auslandsdeutsches“ Kulturgut unter Museumsdirektor Heinrich Kohlhaußen zusammen, der im selben Jahr die Direktorenstelle angetreten hatte. Insbesondere bemühte er sich um den Erwerb siebenbürgischer Objekte (s. dazu auch HG 9325),[8] daneben wurden in dieser Zeit Erwerbungen getätigt – so Deneke 1979 –,  „die durch die Aussiedlung deutscher Bewohner aus Südtirol […] im Spätjahr 1939 ermöglicht wurden. Auch gelangten einige Stücke aus dem damals ‚wiedergewonnen‘ Elsaß in die Sammlungen“.[9] Die Untersuchung dieser Ausrichtung der Sammelstrategie unter Kohlhaußen auf „auslandsdeutsche“ Kunst stellt nach wie vor ein dringendes Forschungsdesiderat dar.[10]



[1] Franz Zimmermann starb am 27.1.1935 in Linz. – Zur Herkunft aus der Sammlung von Franz Zimmermann s. Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[2] Robert Zimmermann war der Sohn von Franz Zimmermann.

[3] Registrar GNM, Zugangsregister, Inventarbuch, Inventarkarte zu HG 9224. – HA GNM, GNM-Akten K 3182, Hauptmuseumsfonds Ausgabebelege 1937, Beleg Nr. 89/18, Frachtbrief zur Übersendung der Sammlung Zimmermann, 25.6.1937. – Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[4] Im schriftlichen Nachlass Franz Zimmermanns, verwahrt im Archiv des Siebenbürgen-Instituts, Gundelsheim, befinden sich laut Findbuch keine Unterlagen zu seiner Sammlung, freundliche Auskunft Jutta Fabritius, Siebenbürgen-Institut, Gundelsheim, Email vom 3.8.2018. Für freundliche Auskünfte danke ich darüber hinaus Univ. Prof. Mag. Dr. h. c. mult. Dr. Dr. Harald Zimmermann, Tübingen, Schreiben vom 14.8.2018. – Zu Franz Zimmermann s. auch Franz Zimmermann: Zeitbuch. Autobiographische Aufzeichnungen eines Hermannstädter Archivars (1875–1925). (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Ergänzungsreihe zum Siebenbürgischen Archiv 34). Ediert von Harald Zimmermann. Köln, Weimar, Wien 2013.

[5] Ich danke Verena Erbersdobler, Jüdisches Museum, Fürth, und Christiane Twiehaus, LVR – Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, für das Entziffern der Schriftzeichen, Email vom 11.6.2018.

[6] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 910.

[7] Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45.

[8] S. dazu auch Jahresbericht des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, Bd. 84 [für 1937]. Nürnberg 1938, S. 45 – 47.

[9] Bernward Deneke: Die volkskundlichen Sammlungen. In: Bernward Deneke, Rainer Kahsnitz (Hrsg.): Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg 1852–1977. Beiträge zu seiner Geschichte. München, Berlin 1978, S. 885–947, hier S. 936.

[10] S. dazu auch Christian Kohler: Ein ruhiges Fortbestehen? Das Germanische Nationalmuseum im „Dritten Reich“ (Zeitgeschichte - Zeitverständnis 23). Berlin, Münster 2011, S. 96–100, sowie ebd., S. 44–45, der vor allem auf die beiden Sonderausstellungen „700 Jahre Deutschtum im Weichselbogen“ im Herbst 1939 und „Niederländisch-deutsche Kulturbeziehungen“ im Frühsommer 1940 eingeht, mit denen Kohlhaußen unmittelbar Bezug auf den Eroberungskrieg des NS-Staats in Polen bzw. den Niederlanden nahm.

Bearbeitung
AE